Fisch essen mit gutem Gewissen?

Fisch essen mit gutem Gewissen?

Fisch ist nicht nur gesund, sondern auch lecker. Trotzdem fällt umweltbewussten Menschen der Genuss teils schwer, denn die Überfischung der Meere sowie tierquälerische Fangmethoden stellen ein großes Problem dar. Was bleibt dem Verbraucher also, wenn er weder auf Fisch verzichten noch die zerstörerischen Methoden des industriellen Fischfangs unterstützen möchte?

Fischratgeber als Einkaufswegweiser

Das erste Gebot lautet: Informieren. Organisationen wie Greenpeace oder fair-fish stellen kostenlos Ratgeber zur Verfügung, die darüber aufklären, wo und wie welcher Fisch gefangen wird und wie stark die jeweilige Art bedroht ist. Dazu geben sie eine Einschätzung, ob und zu welchen Bedingungen der Verzehr einer Fischart vertretbar ist oder weshalb der Konsum besser ganz vermieden werden sollte. Diese Fischratgeber werden stetig aktualisiert und können so als zuverlässiger Wegweiser für den bewussten Einkauf gelten.

Kennzeichnung ist Pflicht

Unabhängig davon, ob der Fisch frisch auf dem Markt oder in Form von Fischstäbchen im Supermarkt gekauft wird, sollte der Verkäufer oder Hersteller immer eindeutige Angaben zu Fischart, Fangort, Fangmethode und Produktionsweise machen können. Die Fischkennzeichnung ist seit dem 1. Januar 2002 Pflicht, tatsächlich halten sich viele Händler aber noch nicht oder nur unzureichend daran. Der Verbraucher sollte beim Einkauf also auf die Vollständigkeit dieser Angaben achten und gegebenenfalls fehlende Informationen einfordern.

Wildfisch oder Zuchtfisch?

Der Fang von Wildfisch ist in erster Linie industriellen Bedürfnissen angepasst, weshalb im Prinzip keine Fangmethode als empfehlenswert angesehen werden kann. Wichtige Kriterien für nachhaltige und schonende Fischerei sind: Eine kurze Fangdauer, die Vermeidung von Beifang, die Vermeidung von Geräten, die den Lebensraum von Meerestieren zerstören, und eine schnelle Schlachtung der gefangenen Tiere. Dass Zuchtfisch im Allgemeinen die bessere Alternative ist, da damit einer Überfischung der Meere entgegengewirkt wird, stimmt nur bedingt. Denn häufig sind diese Anlagen lediglich Massenzuchtstationen, in denen die Tiere viel zu wenig Platz haben und zudem mit Fischmehl aus Wildfängen gefüttert werden. Eine tatsächliche Alternative bieten zertifizierte Öko-Aquakulturen, bei denen die artgerechte und umweltschonende Zucht im Vordergrund steht – beispielsweise das Naturland-Siegel findet sich auf Fischen aus vertretbaren Züchtungen.

Gütesiegel als Gewissheit?

Mittlerweile tragen viele Fischprodukte unterschiedliche Siegel, die eine nachhaltige Fischerei garantieren. Siegel wie Marine Stewardship Council (MSC) oder Friend of the Sea (FOTS) leisten einen wichtigen Beitrag zu verbesserten Bedingungen in Industrie und Handel. Dennoch werden die einzelnen Produkte im Allgemeinen nicht streng genug kontrolliert und auch die Richtlinien für die Zertifizierung sind häufig unzureichend, so ist Tierquälerei häufig gar kein Ausschlusskriterium. Generell gilt: Die meisten Produkte mit Gütesiegel sind eher zu empfehlen als welche ohne Gütesiegel, dennoch sollte der Verbraucher auch hier kritisch bleiben und sich weitergehend informieren.

Weniger ist mehr: Das eigene Konsumverhalten überdenken

Am sinnvollsten trägt der Verbraucher zu einer Veränderung bei, indem er nur selten Fisch isst. Die eine Fischart zu meiden und dafür eine andere im Überfluss zu verzehren, ist nur eine Verlagerung des Problems und trägt in keiner Weise zu einer Veränderung bei. Wie alle anderen Tierprodukte, sollte auch Fisch wieder als etwas Kostbares gelten. Der schweizerische Verein fair-fish rät sogar: „Einmal Fisch im Monat – Meer gibt’s nicht her“. Nicht jeder Mensch ist so diszipliniert, dennoch gilt: Wer selten und dafür bewusst Fisch isst, der kann diesen dafür umso mehr genießen!

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